Das Weiß des Wals

E s waren jene Männer, die das Schicksal in die Wasserwüsten der Ozeane schleuderte, die hinausfuhren und sich in den Kampf mit dem Tier stürzten, die daheim als harte Kerle gelten sollten. Diese Männer konfrontierte Herman Melville mit einem Weiß, das sie ihn den Wahnsinn zerren sollte. Der Farbe des Albinowals Moby Dick (#E2E4D0) widmet er in seinem Roman ein volles Kapitel. Er schreibt von Eisbären und dem Weißen Hai:

Was, wenn nicht ihr glattes, flockiges Weiß macht sie so maßlos grauenvoll? Das gräßliche Weiß ist es, das ihrem stumm grinsenden Gesicht eine so widerwärtige Sanftheit verleiht (…).

Beim Gedanken an den Weißen Wal verlieren die Seeleute die Orientierung und letztlich auch den Verstand. Die Unbegreiflichkeit der Macht über das Lebe Auf sich allein gestellt irgendwo auf dem farbenprächtigen Meer blicken sie in einen weißen Abgrund. Doch ist das Weiß der eigentliche Ursprung aller Farben (Newtons Farbenlehre) oder deren Abwesenheit (Goethes Farbenlehre)? Gibt es die Farben, die uns die Welt erschließen überhaupt oder rennen wir nur einer Illusion hinterher? „Wer hat hier eigentlich die Zügel in der Hand?“, ist man versucht in den Äther zu rufen. „Oder rast das Bronco unserer Welt nur so durch die offene Prärie?“

Wenn wir das alles erwägen, so liegt das gichtbrüchige Universum vor uns wie ein Aussätziger, und wie ein mutwilliger Reisender in Lappland, der sich weigert, farbige und färbende Augengläser zu tragen, so starrt sich der elendige Ungläubige blind, da er den Blick nicht vom endlos weißen Leichentuch wenden kann, das alles, was er ringsum sieht, verhüllt.

Das Weiß des Wals ist die widerwärtige Sanftheit mit der sich der Sinn seinen Suchern entzieht.